Gewaltförmige Mobilisierung in sozialen Medien: Akteure, Themen, Strategien

Das zentrale Erkenntnisinteresse richtet sich darauf, welche Effekte Gewaltkommunikation in sozialen Medien und in der realen Welt auf Mobilisierungs- und Radikalisierungsprozesse und letztlich auf geplante oder durchgeführte Gewaltanwendung haben. Wir untersuchen also Interaktionsprozesse und folgen dabei der Arbeitshypothese, dass solche Effekte von (lokalen) Opportunitätsstrukturen und sozialen Kontexten abhängen, also Online-Kommunikation über Gewalt nicht aus sich heraus zu Gewalt führt. Als Material dient die Kommunikation auf öffentlichen Seiten verschiedener sozialer Medien wie Facebook oder Twitter zu Ereignissen im Kontext von Flucht und Asyl.

Zunächst musste geklärt werden, welche Qualität die Online-Kommunikation überhaupt hat. Dazu haben wir iterativ eine Skala der Gewaltkommunikation entwickelt, um diese Kommunikation beschreiben zu können.

Dabei mussten wir als erstes feststellen, dass sich zumindest in dem Material, das bisher analysiert wurde, gar keine Diskurse oder Radikalisierungsprozesse abbilden lassen: Posts und die darunter platzierten Kommentare, mindestens aber die aufeinander folgenden Kommentare beziehen sich oft genug gar nicht aufeinander, sondern erscheinen als zufällig nacheinander geschriebene Meinungsäußerungen.

Mit Hilfe der entwickelten Skala konnten wir uns einen ersten Überblick darüber verschaffen, wie groß beispielsweise die Anteile von „einfachen Beleidigungen“ und konkreten Gewaltandrohungen bzw. konkreten Aufrufen zur Gewalt sind. Im weiteren Verlauf soll die Online-Kommunikation ideologiekritisch analysiert werden. Die Ergebnisse fließen in die vergleichende Analyse der beiden Referenzmilieus mit ein.

Projektpartner

TU Berlin